Interview mit Dr. Heiko Schäfer, dem CEO von Mammut

Marcus Noack (Chefredakteur) hat sich mit Dr. Heiko Schäfer getroffen, um über das Schweizer Unternehmen Mammut, deren Historie und Gegenwart sowie über das Thema Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche zu sprechen. Ein lockeres und inspirierendes Gespräch, das Jobsuchenden einen guten Einblick in ein modernes Unternehmen sowie eine Branche gibt, die es beim Thema Nachhaltigkeit nicht leicht hat.

Mammut-CEO Dr. Heiko Schäfer über Verantwortung, Materialfragen und den langen Weg zu echter Transformation

Dr. Heiko Schäfer, CEO bei Mammut

Bild: Dr. Heiko Schäfer, CEO bei Mammut

Die Outdoor-Marke Mammut steht seit über 160 Jahren für Bergsport, Performance und Sicherheit. Doch längst geht es nicht mehr nur darum, Menschen zuverlässig auf den Gipfel zu bringen – sondern auch darum, wie verantwortungsvoll Produkte entstehen, die Natur schützen sollen, in der sie genutzt werden. Im Podcast Grünes Mikro spricht Dr. Heiko Schäfer, seit September CEO der Mammut Sports Group, über Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche, die Unterschiede zur klassischen Modeindustrie und darüber, warum es keine einfachen Lösungen gibt.

Vom Sport zur Mode – und zurück

Dr. Heiko Schäfer ist kein Neuling in der Textil- und Markenwelt. Bevor er zu Mammut wechselte, war er 17 Jahre bei Adidas tätig und später im Vorstand von BOSS, wo er unter anderem die konzernweite Nachhaltigkeitsverantwortung innehatte. Seine Rückkehr in den Sport bezeichnet er daher eher als „Nachhausekommen“ denn als Branchenwechsel.

Was er aus diesen Stationen mitgenommen hat, ist vor allem eines: das Verständnis dafür, wie zentral Markenvertrauen, Qualität und Glaubwürdigkeit sind – gerade dann, wenn Produkte sicherheitsrelevant sind. „Wir stellen nicht nur Bekleidung her, sondern auch Produkte, mit denen Leben geschützt werden“, betont Schäfer. Für Kletterseile, Gurte oder Helme sei Vertrauen essenziell – und das gelte ebenso für Nachhaltigkeitsversprechen.

Bild: Mammut

Nachhaltigkeit als Teil der DNA

Während Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen erst in den letzten Jahren strategisch verankert wurde, ist das Thema bei Mammut tief in der Unternehmensgeschichte verwurzelt. Bereits Mitte der 1990er-Jahre setzte der Schweizer Hersteller recyceltes PET ein, lange bevor dies branchenweit zum Standard wurde. Seit 1992 bietet Mammut Reparaturservices an – heute werden jährlich rund 20.000 Produkte in Europa und den USA repariert.

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Schäfer macht jedoch klar: Outdoor bedeutet nicht automatisch nachhaltig. Zwar sei die Nähe zur Natur bei Mitarbeitenden und Kernzielgruppen stärker ausgeprägt als in der klassischen Mode, die Herausforderungen seien jedoch teilweise sogar komplexer. Der Grund: Materialien. Während Mode stark auf Baumwolle setzt, bestehen viele Outdoor-Produkte aus synthetischen, oft petrochemischen Materialien, bei denen nachhaltige Alternativen schwerer umzusetzen sind.

Zwischen Hardcore-Alpinisten und urbanen Konsumenten

Ein weiteres Spannungsfeld: Die tatsächliche Nutzung der Produkte. Marktstudien zeigen, dass über 80 Prozent aller Outdoor-Jacken nie einen Berg sehen. Auch wenn Mammut im Vergleich stärker im professionellen Alpin-Segment verankert ist, bleibt die Kundschaft heterogen – vom Bergführer bis zur urbanen Zielgruppe mit hohem Qualitätsanspruch.

Diese Vielfalt beeinflusst auch die Markenkommunikation. Klassische Hochglanz-Bergbilder reichen heute nicht mehr aus. Stattdessen setzt Mammut auf glaubwürdige Multiplikatoren: Bergführer, Athlet:innen, Kletterhallenbetreiber – Menschen, die die Produkte tatsächlich nutzen. Ergänzt wird dies durch gezieltes Content-Marketing, Social Media und zunehmend auch durch Kollaborationen, etwa mit nachhaltigen Streetwear-Labels.

Greenwashing? Lieber leise als laut

Beim Thema Greenwashing ist Schäfer bewusst zurückhaltend. Mammut habe historisch viel getan, aber wenig darüber gesprochen. Zwar wolle man transparenter werden, doch plakative Nachhaltigkeitskampagnen lehnt er ab. Ein Beispiel ist die vollständig dekarbonisierte Trailrunning-Kollektion, bei der CO₂ nicht kompensiert, sondern aktiv aus der Atmosphäre entfernt wurde – in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen Climeworks.

Die Reaktionen aus der Community waren gemischt: Anerkennung, aber auch Kritik. Für Schäfer gehört das dazu. „Wir sind nicht perfekt und behaupten das auch nicht“, sagt er. Nachhaltigkeit sei ein Lernprozess, der Experimente und Fehler einschließe – entscheidend sei Ehrlichkeit.

Profitabilität als Voraussetzung für Veränderung

Ein zentraler Punkt im Gespräch: die Rolle von Profitabilität. Schäfer widerspricht der Vorstellung, Unternehmen müssten auf Gewinne verzichten, um nachhaltiger zu werden. Im Gegenteil: Nur wirtschaftlich stabile Unternehmen könnten langfristig in nachhaltige Materialien, Prozesse und Innovationen investieren. Mammut habe sich bewusst dazu verpflichtet, einen signifikanten Teil des Umsatzes in Nachhaltigkeit zu reinvestieren – auch wenn dies kurzfristig auf die Marge drücke.

Gleichzeitig zeigt sich Schäfer realistisch in Bezug auf Konsumenten: Nachhaltigkeit beeinflusst Kaufentscheidungen zunehmend, die Bereitschaft, dafür deutlich mehr zu bezahlen, ist jedoch begrenzt. Höhere Preise allein seien daher kein Allheilmittel.

Bild: Mammut

Eine Branche auf dem Weg – aber noch nicht am Ziel

Sein Fazit zur Outdoor- und Modebranche fällt differenziert aus: Die Industrie wird jedes Jahr ein Stück besser, ist aber noch weit davon entfernt, wirklich nachhaltig zu sein. Überproduktion, hohe CO₂-Emissionen und lineare Geschäftsmodelle bleiben große Baustellen. Im Vergleich zur klassischen Mode sieht Schäfer die Outdoor-Branche zwar etwas weiter – vor allem bei Premium-Anbietern –, doch auch hier sei der Weg zur Kreislaufwirtschaft noch lang.

Für Mammut selbst sieht er die größte Herausforderung im Klimaschutz. Das Ziel ist klar definiert: Bis 2030 sollen die Emissionen im Vergleich zu 2018 um 50 Prozent reduziert werden – im Einklang mit dem 1,5-Grad-Pfad. Wie ambitioniert dieses Vorhaben ist, weiß Schäfer nur zu gut. Aber für ihn ist klar: Verantwortung endet nicht am Gipfel, sondern beginnt dort erst richtig.

Über Mammut Sports Group AG

Mammut ist ein Schweizer Outdoor-Unternehmen, das im Jahr 1862 gegründet wurde und Bergsportbegeisterten weltweit hochwertige Produkte und einzigartige Markenerlebnisse anbietet. Seit über 160 Jahren steht die weltweit führende Premiummarke für Sicherheit und bahnbrechende Innovation. Die Produkte von Mammut vereinen Funktionalität und Leistung mit modernem Design. Dank ihrer Kombination aus Ausrüstung, Schuhen und Bekleidung zählt Mammut zu den führenden Anbietern für Outdoor-Bedarf von Kopf bis Fuss. Die Mammut Sports Group AG ist in rund 51 Ländern tätig und beschäftigt ca. 900 Mitarbeitende.

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